Nichts zu beschönigen

June 11th, 2008 by alex

Viele Leute behaupten ja, dass Marketing und Werbung trotz gegenteiliger Beteuerung (”Truth well told” oder ähnliches) meistens lügen oder die Wahrheit doch ein wenig aufbrezeln, um eine Marke an den Mann oder die Frau zu bringen. Da ist es um so erstaunlicher, dass eine Marke wie MTV die nackte Wahrheit ungeschminkt und auch noch stolz dem erstaunten Publikum präsentiert und dann auch noch beim Clio Award dafür eine Goldmedaille abkassiert. Auf der in Buenos Aires gestalteten Anzeigenserie sehen wir im Side-by-Side Vergleich etwa zwei Frauen, von denen die eine unzweifelhaft Britney Spears ist. Die andere erkennt man auf den ersten Blick nicht und erfährt im Kleingedruckten, dass es sich um Marie Curie handelt, die erste Frau, die einen Nobelpreis in Chemie erhalten hat. M.a.W., MTV scheint stolz darauf zu sein, dass dank dieser Marke jeder Frau Spears kennt und keiner Frau Curie. Dasselbe gilt für Marilyn Manson vs. Alexander Fleming, dem Entdecker des Penicillin usw. Auch wenn die Idee wirklich simpel ist, auch wenn das Kulturbanausentum der Wahrheit entspricht, irgendwie finde ich es zum Kotzen.

Quelle: Clio Awards

2 Responses to “Nichts zu beschönigen”

  1. Jenny Says:

    Der Haken an der Kampagne: Wenn Britney erstmal tot ist, wird sich die nachfolgende Generation auch nicht mehr an sie erinnern.

  2. carsten Says:

    Hmh, MTV ist mir eigentlich sympathisch, ist ja irgendwie Teil meiner Jugend. Wann habe ich das letzte mal einen Song oder Artist zu erst bei MTV gesehen und dann gekauft? Keine Frage, in meiner Welt ist MTV schon unnötig und durch das Web substituiert. Jetzt aber mal zu der Kampagne: Marken müssen polarisieren, keine Frage. Für Jugend-Marken ist das quasi schon Pflicht, schließlich gilt es gegen die Welt der Erwachsenen zu sein. Insofern macht die Kampagne auf den ersten Blick Sinn. Eine Marke muss jedoch auch ihre gesellschaftliche Relevanz verstehen und ausnutzen. So zeigt MTV ja auch unzählige (sehr gut gemachte) “Safer Sex” und “Don’t Drink & Drive” Spots. Sich jetzt aber bewusst als Advokat der (zweifelhaften) Popkultur darzustellen und einen Vergleich zwischen mehr oder minder “hohlen Nüssen” und “echten Größen” anzustellen ist doch eher fragwürdig. Vielleicht zeigt es, dass MTV seine Identität schon längst verloren hat: weg von der Revolution hin zu “trash”.

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